Wenn man sich den Spezialreiniger spart

Was habe ich nicht schon Geld für alle möglichen Wundermittel ausgegeben. Den Spezialreiniger zum Motorrad abwaschen, das Spray für die Kunststoffpflege, das Konservierungsmittel für die Metallteile.

Und das alles nur, damit mein Motorrad nach einer Wäsche ordentlich strahlt, glänzt und glitzert.

Und wer mal an einem Motorradstammtisch sitzt, wird stattdessen schnell mal hören, dass dieses und jenes Spezialprodukt zur Motorradwäsche komplett überflüssig ist. Zumindest angeblich.

Da meine zunächst meine BMW, anschließend die Suzuki mal wieder ordentlich geputzt gehören, finde ich, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mal solche Mythen über Hausmittel am eigenen Motorrad auszutesten.

Die praktische Situation: Zwei Motorräder, die den halben Winter über mehr oder weniger bewegt wurden, kein Geländeschmutz, keine Salzablagerungen (auf das habe ich schon im Winter geachtet). Stattdessen Fliegen, Harz, ein paar Teerflecken (wo kommen denn die im Winter her?) sowie ganz allgemein eine graue Schicht von Straßendreck.

Das Ziel: zumindest die BMW sollte ohne die Nutzung von Spezialmitteln wieder ordentlich erstrahlen.

Die Fahrzeugwäsche zu Hause

Erlaubnis?

Nun, ich kann natürlich nicht sagen, wie das bei dir zu Hause ist, aber bei mir sind laut Ortspolizeiverordnung Fahrzeugwäschen im heimischen Hof untersagt, von wegen Umweltschutz und so.

Deswegen würde mir natürlich nie, niemals und unter keinen Umständen einfallen, mein Motorrad im Hof zu waschen. Selbst wenn es meine Nachbarschaft nicht juckt. Deswegen sind meine Ausführungen hier natürlich rein theoretisch (hüstel).

Mit klarem Wasser vorwaschen?

Natürlich ist nichts so einfach, wie es zunächst mal scheint. Immer wieder lese ich, dass auf keinen Fall mit dem Hochdruckreiniger gearbeitet werden darf. Von wegen der Lack wird angegriffen und so.

Vielmehr soll eben mit „normalem“ klaren Wasser eine Vorwäsche stattfinden.

Na ja, ich habe keine Ahnung, wie das bei anderen Leuten funktioniert, aber eine Vorwäsche mit klarem Wasser aus dem Gartenschlauch funktioniert bei mir nicht. Mein Motorrad sieht noch genauso schmutzig aus, wie vorher. Der Gartenschlauch mag ja vielleicht bei diesen wirklich groben Schmutzbrocken von Geländefahrten ausreichen, die grauen, klebrig-öligen Schmutzantragungen gehen bei mir dadurch nicht weg. Also ein Reinfall.

Nächster Halt: Eine Waschbox im Industriegebiet um die Ecke. Hochdruckwäsche mit Reiniger.

Und siehe da: der ölige Schmutz an der Unterseite der Maschine, am Kettenschutz und am Motorschutz, einfach weggespült. Lackschonend? Du musst ja nicht mit dem Kärcher auf 8 cm Entfernung drauf halten. Ein wenig mit Augenmaß geht das schon. Lackschäden? Bislang keine.

Vorwäsche grundsätzlich erledigt.

Verkleidung und Metallteile reinigen

Hier würde normalerweise die Stunde des Spezialreinigers schlagen. Aber ich will es ja mit den Hausmitteln versuchen.

Problem:

Vom Straßenschmutz (Regenfahrten in letzter Zeit) hat sich eine hässliche graue Schicht auf den Kunststoffteilen abgesetzt. Weiterhin sollen die Metallteile am Motorrad auch wieder ordentlich glänzen.

So oder so ist also Handreinigung angesagt, um an alle Ecken und Enden hinzukommen. Gute Gelegenheit, mal die einzelnen Hausmittel auszutesten.

Versuch Nr. 1:

Neutralreiniger.

Heißes Wasser in einen Eimer, einen weichen Schwamm (billiger Spülschwamm, nicht die Topfreiniger-Seite) und los gewaschen.

Auf jeden Fall wird die Verkleidung ordentlich sauber, auch mit wenig Handkraft. Das Wasser ist schon nach kurzer Zeit ziemlich dunkelgrau gefärbt, das bedeutet dann also, dass der Schmutz vom Motorrad weg wandert. Soweit so gut.

Nachteil: Die Maschine ist sauber, definitiv. Aber schön? Auf der Scheibe bilden sich Wasserflecken, die Metallteile sind stumpf und Insekten an der Fahrzeugfront? Na ja, da ist noch ein wenig mehr Einsatz gefragt.

Motorradscheibe, grau

Die Scheibe an meinem Motorrad wird mit Neutralreiniger nicht wirklich durchsichtig, sondern bleibt grau

Versuch Nr. 2

Essigreiniger

Schmutz geht auch recht gut ab. Nur mit diesem fettig-öligen Dreck im Bereich des Kettenschutzes sieht es eher mau aus. Da geht gar nichts. Nicht mal mit viel gutem Willen.

Und die Insekten an der Fahrzeugfront? Geht auch nicht besser oder schlechter.

Jedoch ein Bonus: Wasserflecken gibt es nicht… gar keine um genau zu sein. Schon mal eine Verbesserung.

Versuch Nr. 3

Nylonstrümpfe

Noch so eine Geheimwaffe unter den Hausmitteln. Soll ja angeblich besonders gut zur Fahrzeugreinigung geeignet sein, insbesondere um hartnäckigere Verschmutzungen schonend weg zu bekommen.

Ergebnis: Geht auch nicht besser oder schlechter, als mit einem einfachen Küchenschwamm. Und Öl auf dem Kettenschutz? Geht gar nicht.

Also auch hier nicht unbedingt die beste aller Lösungen.

Versuch Nr. 4

Spülmittel

Was für das Geschirr gut ist, sollte ja auch für das Motorrad nicht schlecht sein. Zumindest so die Theorie.

Auch wieder mit Schwamm großzügig aufgetragen. Gefühlt geht es ein wenig leichter, als mit dem Neutralreiniger. Die Insekten lassen sich tatsächlich auch entfernen (inzwischen gehen mir die Stellen aus, an denen noch das Getier klebt), auch ohne größere Handkraft.

Nachteil:

Auch hier Wasserflecken.

Weiterer Nachteil:

Ich habe in dem einen oder anderen Beitrag schon gelesen, dass die Inhaltsstoffe von Spülmittel wohl angeblich die Kunststoffteile mit der Zeit angreifen sollen und daher für die Fahrzeugreinigung nicht besonders zu empfehlen sind.

Fazit bislang:

Ich nutze jetzt am besten heißes Wasser und Spülmittel. Sauber wird das Motorrad auf jeden Fall, einzig die Wasserflecken sind hier noch ein Problem. Soweit klappt das (zumindest einigermaßen) bislang mit den Hausmitteln.

Die Behauptung, dass Spülmittel die Kunststoffteile angreifen soll, kann ich weder bestätigen noch widerlegen. Andererseits habe ich dieselbe Behauptung auch schon von meinem „Spezialprodukt“ zur Motorradreinigung gehört. Und dies nutze ich auch schon seit einigen Jahren, ohne dass es mir die Verkleidung weggefressen hätte…

Felgenreinigung

Situation:

Meine Felgen an der BMW sind irgendwie immer mit hartnäckigem Schmodder überzogen und sehen auch genauso aus.

Ziel ist, dass sie wieder schwarz glänzen.

Versuch mit den bisherigen Hausmitteln:

Zunächst mit Neutralreiniger, dann mit Essigreiniger und schließlich mit dem oben erwähnten Spülmittel… alles Mist. Kann ich gleich sagen.

Am ehesten hilft hier mit viel Druck und dem Schwamm immer mal wieder den Dreck zwischen jeder einzelnen Speiche wegzurubbeln.

Das klappt schon mal nicht, habe ich schon besser gesehen.

Nächster Versuch mit Backofenspray:

Backofenspray soll helfen.

Also nochmals die Küche geplündert und auf einen Teil der Felge das Backofenspray aufgesprüht.

Das Ergebnis ist nicht so eindeutig. Beim Nachwischen mit dem Schwamm bleibt auf jeden Fall schon mal sehr viel mehr Dreck dran hängen, und das dann auch mit sehr viel weniger Krafteinsatz.

Und die betroffenen Stellen sehen schon besser aus, aber auch noch nicht gut.

Felge am Motorrad, sauber

Mit Backofenspray wird die Felge zumindest ein wenig sauber. Perfekt ist aber anders.

So oder so ist auf jeden Fall noch Abspülen (diesmal nur mit klarem Wasser) angesagt.

Und dann noch Zahncreme:

Jetzt wird es bizarr. Laut einem Ratgeber im Netz soll auch Zahncreme helfen gegen Felgenschmutz.

Also kurz hoch ins Bad und Mal Zahncreme (die gute mit den Kräutextrakten) geholt und aufgetragen.

Ich mache es kurz: Das klappt bei mir gar nicht. Die Felge sieht hinterher noch (viel) schäbiger aus, als vorher, der Dreck geht nicht ab (oder jedenfalls nur sehr schwer), zusätzlich habe ich jetzt noch weißes Geschmiere von den Zahnpastaresten auf der Felge.

Schuss in den Ofen.

Fazit zur Felgenreinigung

Felgenschmutz ist hartnäckig.

spülschwamm, ölverkrustet

Also ohne viel Handarbeit wird die Felge am Motorrad nicht sauber, Und der Spülschwamm ist nach der halben Hinterradfelge auch „fertig“

Bei mir klappt das mit dem Backofenspray noch am Besten, ist aber noch weit entfernt vom perfekten Zustand. Da muss noch mehr gehen.

Das Motorrad soll glänzen

Na ja, sauber ist die BMW, mehr oder weniger zumindest. Klar, noch einzelne Fleckchen, die Felgen sind zwar auch einigermaßen gereinigt, aber glänzen sieht anders aus.

Letzter Schritt: für ein wenig Glanz sorgen.

Hier mache ich es mit recht einfach. Ein wenig WD40 auf einen Lappen, mal kurz die Metallteile abgewischt… und voilà, alles glänzt. Sogar die vorher noch grenzwertigen Felgen.

Gegenversuch mit Ballistol: Gleicher Effekt.

Und letzter Check mit ein wenig Nähmaschinenöl: genauso gut.

Hinterradschwinge, schmutzig

Die Hinterradschwinge ungereinigt.

Hinterradschwinge, sauber

Nach der Reinigung mit Neutralreiniger. Zwar einigermaßen sauber, aber noch nicht wirklich schön.

Hinterradschwinge, glänzend

Nun sieht die Schwinge richtig gut aus. Nach der Reinigung noch mit ein wenig Ballistol abgerieben.

Und die Kunststoffteile?

Nun, ich habe schon den Rat bekommen, einfach ein wenig Silikonspray aufzutragen. Und ja, das hilft auf jeden Fall. Und die schwarzen Kunststoffteile werden sogar wieder nach geschwärzt. Dunkler müssen sie nicht werden, nur die weißen Verkleidungsteile sollen ein wenig glänzen. Hier versuche ich mal ein wenig Fensterreiniger… und siehe da, klappt auch, die Wasserflecken sind weg.

Motorradwäsche mit Hausmitteln: Ergebnis

Ja, es geht. Ich brauche mir keinen Kanister mit Spezialreiniger zulegen. Das Motorrad wird sauber, glänzt sogar ein wenig.

Aber die Arbeit. Ich gebe es gerne zu, mit meinem Motorradreiniger bin ich auch zufrieden und die Reinigung macht auf jeden Fall weniger Mühe.

Deswegen: Die Hausmittel funktionieren zwar (zumindest die meisten), aber die Motorradreinigung dauert auf jeden Fall länger bzw. ist mit mehr persönlichem Aufwand verbunden.

Muss jeder selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist.