„Ein Motorrad ist doch so teuer“

Diesen Satz habe ich diesen Winter jetzt schon ein oder zwei Mal gehört. Woher? Ich habe einen neuen Praktikanten im Geschäft. Jung, dynamisch und… na ja.

Auf jeden Fall ist er erstaunt, dass ich (zumindest so lange noch kein Frost herrscht) sehr häufig mit dem Motorrad zur Arbeit fahre. Und das interessiert ihn auch, er denkt darüber nach, wie toll es wäre, selbst Motorrad zu fahren und beginnt zu rechnen. Und kommt dann zu dem Ergebnis, dass das Motorrad ein teurer Spaß ist.

Natürlich bin ich komplett anderer Meinung und es entwickelt sich eine rege Diskussion, schließlich hält er mir vor, dass ich ja gar nicht objektiv sein kann, da ich ja komplett vom Motorrad „angefressen“ bin. Da hat er recht.

Deshalb habe ich mir mal überlegt, wie viel denn das Motorrad in den ersten beiden Jahren objektiv kostet. Immerhin müsste sich das ja berechnen lassen.

Die Kosten für das Motorrad

Allgemeines zu den Berechnungen

Natürlich spielen für die Berechnung der Kosten meines liebsten Hobbys Unmengen an Faktoren eine Rolle. Und die sind bei jedem einzelnen verschieden. Andererseits kann man einige Posten durchaus pauschalisieren und so die Rechnung ein wenig übersichtlicher gestalten. Es fährt zwar nicht jeder gleich, einige Berechnungen lassen sich aber durchaus mal aufstellen, indem man fiktive Jahresfahrleistungen ansetzt.

Ganz grob kannst du die Kosten in einige Hauptabschnitte einteilen. Zunächst mal das Geld, das fließen muss, bis überhaupt ein Führerschein vorhanden ist, dann die Beträge, bis ein fahrbereites Motorrad vor der Türe steht und schließlich noch die reinen Fahrtkosten, die anfallen. Ich habe hier versucht, mit Erfahrungswerten zu rechnen, die bei mir angefallen sind. Immerhin habe ich schon das eine oder andere Motorrad gekauft, kann also ein wenig abschätzen, was an Kosten auf dich zukommt.

In meinen Berechnungsbeispielen gehe ich davon aus, dass du, was Motorräder angeht, noch vollkommen „jungfräulich“ bist. Noch keinen Führerschein, keine Motorradklamotten, bei der Versicherung noch nicht weit unten. Du musst also erst deinen Motorradführerschein (A2) machen, dir Kleidung und Maschine anschaffen, alles am Laufen halten und fährst eine mittlere Jahreskilometerzahl von 5000. Mit diesen Werten rechne ich.

Der Motorradführerschein

Bevor du Motorrad fahren kannst, brauchst du erst mal einen Führerschein. Die Maschine würde zwar auch ohne Pappe fahren, wir wollen es jedoch richtig machen. Und schon sind wir auch im Bereich der „unscharf“ zu berechnenden Beträge. Und gleichzeitig liegt mein Führerschein schon so lange zurück, dass ich kaum was dazu sagen kann.

Was ich bisher nicht wusste: Die Beträge sind regional sehr unterschiedlich, je nach Gegend kann das dann schon mal lockere 600€ ausmachen. Hier im Südbadischen sind wir dann auch noch am teuersten, stelle ich so fest. Und als würde das nicht reichen, kommt es natürlich auch noch auf dein persönliches Können an. Wer schlecht fährt, braucht mehr Stunden. Wer durch eine Prüfung rasselt, muss sie wiederholen.

Ich habe es mir hier einfach gemacht. Mein Ältester möchte diesen Sommer in Richtung Motorradführerschein gehen. In der Fahrschule seines Vertrauens hat er eine grobe preisliche Richtschnur bekommen. Für den Führerschein der Klasse A2 müsse er, wenn er nicht durch Prüfungen durchfällt und übermäßig viele Fahrstunden benötigt, mit etwa 1600€ rechnen. Satter Betrag.

Anschaffung Bekleidung

Damit du aber überhaupt deine praktischen Fahrstunden beginnen kannst, brauchst du natürlich auch Motorradbekleidung. Ohne die geht’s nicht. Ich habe schon mal einen kleinen Artikel darüber geschrieben, wieviel Geld eine Motorrad-Erstausstattung kosten darf, ich bin da auf bescheidene knapp 300€ gekommen.

Anschaffung Motorrad und Zubehör

Jetzt geht es schon ziemlich ans Eingemachte. Da gibt es jetzt jede Menge Optionen. Ich habe schon ein Motorrad für eine Kiste Bier erworben und auch schon eine Neumaschine für einen fünfstelligen Betrag. Irgendwie ist alles möglich.

Ich denke, als Fahranfänger willst du vor allem eine Maschine, die fährt. Bescheidene Vorstellungen. Und auch, wenn es jetzt alle möglichen Ideen gibt, gehe ich davon aus, dass du dir einfach ein klassisches Butter-und-Brot-Motorrad anschaffst. Ob das jetzt am Ende tatsächlich passt, ist ganz klar dir überlassen. Ich nehme hier einfach mal ein Standardbeispiel.

Für den Kauf deines Erstmotorrads empfehle ich dir eine eher kleine Investition. Als Fallbeispiel habe ich hier eine Suzuki GS 500 herausgesucht, Baujahr 1992 mit knapp 20.000 km. Ein solides, ordentliches Motorrad. Mit unter 48 PS auch noch geeignet für die Fahrerlaubnisklasse A2 und insgesamt bekannt für ein langes, sparsames und unauffälliges Leben. Die Maschine hat noch etwa ein Jahr lang TÜV.

Der Kauf der Maschine würde zur Zeit (Winter halt) mit 650€ zu Buche schlagen.

Erste Wartungen

Sind wir ehrlich. Wenn du so eine Maschine kaufst, ist immer noch was zu machen. Das gibt es nicht, dass du ein billiges Schnäppchen machst und gar nichts mehr an der Maschine zu machen ist.

Die Rechnung geht aber nur auf, wenn du die notwendigen ersten Wartungsarbeiten auf ein Minimum beschränkst. Ziel ist, dass die Maschine fahrtüchtig ist und noch mindestens zwei Jahre bleibt. Weiterhin soll deine Maschine auch verkehrssicher sein. Bei meiner Beispielrechnung gehe ich jetzt davon aus, dass du manche Tätigkeiten auch selbst auf die Reihe bekommst. Das muss jetzt nicht der Austausch des Kurbelwellenlagers sein, aber ein Ölwechsel liegt schon in dem Bereich, den man zu Hause in der Garage oder auf dem Hof machen kann. Spart halt ein wenig Geld.

Der Klassiker beim Gebrauchtkauf sind die Reifen. Ich habe irgendwie noch nie eine Gebrauchtmaschine bekommen, bei der die Reifen noch so gut waren, dass ich ohne Bedenken eine komplette Saison damit herumfahren konnte. Also gehe ich von einem Satz Reifen für meine (deine) fiktive GS500 aus. Dann nehme ich noch einfach einen Ölwechsel mit Ölfilter an und schließlich noch ein paar Kleinstarbeiten. Ich setze hier einen Gesamtbetrag von 300€ an. Das mag manchmal billiger sein (wenn du bei der Anschaffung der Maschine Glück hattest) oder auch wesentlich teurer (Kolbenfresser beim ersten Motorenstart). Aber für meine Beispielberechnung stehen hier jetzt einfach mal 300€.

Zulassung

Die Zulassung wiederum ist recht einfach zu berechnen. Du brauchst die Zulassung als solche, die Gebühren hierfür sind zwar nicht bundeseinheitlich geregelt, unterscheiden sich aber nicht wesentlich in den einzelnen Zulassungsbezirken. Die Zulassung selbst (also nur der Verwaltungsakt) kannst du mit etwa 30€veranschlagen.

Dazu brauchst du natürlich noch ein Kennzeichen für deine Maschine. Gehst du zu einem Kennzeichendrucker in der Nähe deiner Zulassungsstelle, wirst du nochmals bei lockeren 30 € liegn, bestellst du im Internet (wusste ich bis vor kurzem gar nicht, dass so etwas geht), bist du bei etwa 15€. Kein gewaltiger Unterschied dafür, dass du dann deine neuen Kennzeichen gleich anbringen und losfahren kannst, oder?

Also. Zulassung und Kennzeichen werden dich etwa 60€ kosten.

Versicherung

Hier wird es schon teurer. Ein schneller Versicherungsvergleich zeigt:

Wenn du lediglich Haftpflichtversicherung möchtest, kommst du mit jährlichen 120€ (Allianz) bis 300€ (von Unternehmen, die ich noch nie gehört habe) hin. Teurer geht natürlich auch. Ich habe hier einfach mal mit Schadensfreiheitsklasse 0 gerechnet. Hier ist übrigens noch Einsparpotential, wenn das Fahrzeug als Zweitfahrzeug bei Oma, Opa, Mama angemeldet wird.

Kilometerkosten

Sprit, Kette, Reifen, Inspektion? Das alles ist hier aber nicht ganz unwichtig. Gemittelt auf 5000 Jahreskilometer rechne ich mit folgendem: Auf jeden Fall musst du tanken. Bei einem Verbrauch von 5 Litern pro hundert Kilometern und 1,40€ Spritkosten, bist du pro Jahr bei 350€ Spritkosten. Dann benötigst du einen Satz Reifen pro Saison (behaupte ich einfach mal), mach nochmals 180€. Wartungsarbeiten wie Bremsen, Ölwechsel und was es alles gibt machst du selbst, da kannst du mit 150€ pro Jahr hinkommen.

Bei diesen Berechnungen darf aber nichts kaputt gehen, weil du stürzt, der Motor aus mysteriösen Gründen verreckt oder du in der hintersten Walachei im Wahn Diesel statt Benzin getankt hast. Da ist kein Raum für größere Ausgaben.

Also: An „Fahrtkosten“ fallen bei meiner Berechnung pro Jahr etwa 680€ an.

Zusammenfassung

Also. Was kostet es dich nun, Motorrad zu fahren. Im Zuge meiner Beispielrechnung fährst du zwei Jahre lang je 5000 km. Dann vertickst du die Maschine für den sprichwörtlichen Kasten Bier. In diesen zwei Jahren habe ich dir keinen Sturz und keinen Unfall zugerechnet, pass also auf. Mit Anschaffungskosten und allen laufenden Beträgen kommst du für die zwei Jahre auf 1890€. Für diesen Betrag hast du ein Motorrad gekauft, bist insgesamt 10000 km gefahren und hast die Maschine dann für Umme weggegeben. Macht also pro Jahr etwa 850€, pro Monat sind das dann gut 70 €.

In diesem Betrag ist aber nicht der Erwerb des Motorradführerscheins sowie der Kauf deiner ersten Lage Motorradbekleidung enthalten. Die sollten nämlich (hoffentlich) länger als zwei Jahre halten.

Wenn du Führerschein und Klamotten mitrechnest, kommst du in den ersten zwei Jahren knapp 4000€ an Kosten.

Ist das teuer? Na ja, ein Auto kostet mehr, ist halt auch praktischer… und kein Motorrad.