Wenn du dich für ein Gebrauchtmotorrad interessierst

Ich bin ja inzwischen voll drin in der Suche nach einer netten, gebrauchten Maschine. Günstig, genügsam, bequem. Und ich habe inzwischen doch schon einige Angebote für mich ausgemacht, Motorräder, welche ich mir selbst anschauen wollte. Und weil ein Gebrauchtmotorrad eben auch besichtigt werden will und hierbei Fehler auftreten, habe ich mir nun mal einige Gedanken gemacht.

Und dabei musste ich feststellen: Angelogen bin ich erst, wenn ich es glaube…

Auf jeden Fall ist es vielleicht nicht ganz klug, sich alleine auf die Aussagen potentieller Fahrzeugverkäufer zu verlassen, wenn du einen vierstelligen Betrag in ein Motorrad investieren möchtest, welches du noch nie vorher gesehen hast. Eine Fahrzeugbesichtigung ist definitiv vonnöten.

Und bei der Besichtigung eines gebrauchten Motorrads gibt es einige Kleinigkeiten zu beachten, die dir vielleicht ersparen, am Ende mit 250 Kilogramm unbeweglichem Schrott anstatt einem agilen Motorrad dazustehen.

Die meisten Tipps sind diesbezüglich ziemlich selbsterklärend und gar nicht so kompliziert.

Lerne die Probleme kennen

Das schöne am Internet ist, dass du praktisch alles finden kannst, was von Interesse ist. Wenn du also weißt, dass du morgen eine Honda Transalp besichtigen möchtest, dann such im Internet nach den typischen Problemen des entsprechenden Modells.

Neigt deine Wunschmaschine zum Ölverbrauch? Ist nach kurzer Zeit das letzte Zahnradpaar des Getriebes verschlissen? Muss der Motor nach 40.000 km generalüberholt werden? Solche Kleinigkeiten kannst du inzwischen recht leicht in diversen Themenseiten oder Foren finden.

Und wenn nicht, hilft es, einfach zu fragen. Wenn du schon kein Fachforum für deine Gebrauchtmaschine zur Hand hast, kannst du auch ganz pauschal eine Frage bei www.motorradfrage.net stellen. Oder in den Foren diverser Motorradmagazine. So oder so, mach dir ein Bild der typischen Krankheiten des jeweiligen Motorrads. Und recherchiere dann auch gleich, welche Nachrüstungen im Laufe der Modellpflege hinzugekommen sind.

Überprüfe die Fahrzeugdaten, die du hast

Fahrzeugtyp

Eine normale Verkaufsanzeige enthält den Fahrzeugtyp, normalerweise ein Bild des Motorrads sowie Kilometerstand und Baujahr. Und dies reicht auch schon für den ersten kleinen Check. Passt der genaue Fahrzeugtyp denn zum angezeigten Baujahr und Bild? Du glaubst nicht, dass das mal nicht passt? Ist schon passiert.

Kilometerstand

Dann schau dir gleich noch den Kilometerstand an. Passt der zum Fahrzeugalter? Wer dir ein 20 Jahre altes Motorrad verkaufen möchte mit gerade mal 15.000 km auf der Uhr, der hat eine Maschine im Angebot, die so nicht passt. Auffallend wenige Kilometer lassen auf ewig lange Standzeiten schließen oder auf Beschiss.

Ewig lange Standzeiten sind grundsätzlich bei einem Motorrad kein Problem, wenn die Maschine fachmännisch eingemottet wurde. Dies wird aber nicht immer getan. Wenn dir der Verkäufer also sagt, das Motorrad sei das letzte halbe Jahr in der Garage gestanden und die Batterie sei nur deshalb leer, kann das so stimmen. Es könnte aber auch sein, dass dein Gebrauchtmotorrad das letzte Jahrzehnt in der Scheune stand und deshalb auch mit nagelneuer Batterie nicht so einfach wieder zum Leben erweckt werden kann. Also diesbezüglich misstrauisch sein.

Zuletzt vergleiche den angegebenen Kilometerstand mit den Bildern. Ein Motorrad, welches nur 25.000 km auf dem Buckel hat, kann gar nicht stark vergammelt sein, bei einem Minimum an Pflege. Ist also dein Wunschmotorrad auf den Bildern bereits total „heruntergewirtschaftet“, der Tachostand jedoch auffallend niedrig, dann könnte es auch hier sein, dass etwas nicht passt.

Bei der Besichtigung

Der Verkäufer

Es mag von Vorurteilen meinerseits zeugen. Aber den Vorwurf nehme ich durchaus hin.

Schaue dir den Motorradverkäufer genau an. Wenn er bereits bei der Begrüßung einen merkwürdigen Eindruck macht, wenn er dir keine klaren Antworten auf Fragen geben kann, wenn du ihn ertappst beim Schwindeln, überlege dir genau, ob du gerade bei ihm dann dein Traummotorrad kaufen möchtest. Es gibt noch andere Gelegenheiten, ein Gebrauchtmotorrad zu kaufen. Lass dich nicht auf einen Handel mit jemandem ein, dem du nicht vertrauen kannst.

Auf das Bauchgefühl kommt es an.

Die Fahrzeuggeschichte

Lass dir die Historie des Motorrads erklären. Wann und wie von wem erworben? Wieviele Kilometer gefahren? Wie lange nun in der Garage stehend?

Ist seine Geschichte vollständig und in sich schlüssig? Gibt es Lücken in der Lebensgeschichte des Motorrads?

Lass dir auch erklären, warum dieser und jener Umbau vorgenommen wurde. Wozu ist der Austauschschalldämpfer am Motorrad? Warum ist da noch eine Navihalterung, aber ohne Navi? Gibt es das vielleicht noch dazu?

Wenn du Neuteile am Motorrad bemerkst, die definitiv jünger sind als der Rest, lass dir auf jeden Fall erklären, aus welchem Grund diese montiert wurden. Liegt vielleicht ein Unfall zugrunde? Wenn ja, empfehle ich die Mängel im Kaufvertrag genau zu dokumentieren.

Die Wartungshistorie

Ein Gebrauchtmotorrad, welches scheckheftgepflegt ist, wäre natürlich am besten. Aber das ist natürlich nur der Idealfall und nicht immer zu haben.

Im Gegensatz zu vielen anderen, habe ich keinesfalls etwas gegen einen Verkäufer, der mir erklärt, die Gebrauchtmaschine wurde von ihm selbst in der eigenen Garage ordentlich gewartet. Dies zeigt auf jeden Fall, dass der Verkäufer sich mit Motorrädern auskennt und auch selbst darauf achtet, dass das Motorrad in Ordnung ist.

Wenn dir also jemand erklärt, er habe alle Wartungsarbeiten in der heimischen Garage erledigt, spricht nichts dagegen, auch mal einen Blick in diese zu werfen. Wenn dort nur ein Satz Schraubendreher und eine Bügelsäge herumliegt, mach dir Gedanken, ob du nicht angeschmiert worden bist. Wenn dort jedoch eine eigene Motorradhebebühne herumsteht, hast du auf zumindest den Hinweis, dass er die Wartungsarbeiten ernst nimmt.

Die Papiere

Lass dir vom Verkäufer alle zum Motorrad gehörenden Fahrzeugpapiere zeigen. Zulassungsbescheinigung Teil eins und zwei (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief), Handbuch, Inspetionsscheckheft, Rechnungen für Reparaturen und Wartungsarbeiten, vielleicht ein Wartungshandbuch?

Vergleiche auch die dortigen Daten mit dem Fahrzeug und dem Verkäufer. Stimmen die Namen überein? Wäre nicht das erste Mal, dass jemand versucht, das Motorrad der Exfrau ohne deren Wissen zu verkaufen.

Passen die Kilometerstände der Inspektionen? Passen auch die Werkstattstempel? Passen die Daten zu der vorher erfragten Wartungshistorie?

Wenn zwischen zwei Inspektionen nur 3.000 Kilometer aber drei Jahre liegen, lässt das darauf schließen, dass das Gebrauchtmotorrad längere Zeit in einer Scheune vor sich hin gegammelt hat.

Besichtigst du dein Motorrad alleine?

Immer wieder ist zu lesen, dass man doch möglichst zu zweit sein sollte bei einer Fahrzeugbesichtigung. Hintergund ist wohl der, dass vier Augen mehr sehen als zwei Augen.

Andererseits ist es doch so, dass du im Idealfall eine kleine Checkliste mitgenommen oder zumindest vorher durchgesehen hast, welche dir die Überprüfung des Motorrads doch erheblich vereinfacht.

Was meiner Meinung nach viel wichtiger ist: Ein Begleiter kann dich (hoffentlich) wieder auf den Boden zurückholen. Es kommt durchaus der Punkt, an dem deine Begeisterungsfähigkeit deine Urteilskraft trübt. Dann willst du unbedingt das Motorrad X haben, ohne auf die Probleme zu achten. Genau für diesen Zweck ist dann eine Begleitperson wichtig. Der kann dich dann hoffentlich wieder auf den Teppich holen.

Fazit

Bei der Besichtigung eines Gebrauchtmotorrads geht es zunächst nicht nur um die Technik als solche. Genauso wichtig ist das „Drumherum“, der Verkäufer, die vorgelegten Papiere sowie die Fahrzeuggeschichte. Erst wenn hier alles einigermaßen zufriedenstellend passt, kannst du dich daran machen, dir ölverschmierte Finger zu holen.

Darum wird es dann im nächsten Artikel gehen.