einfaches Baumarktzelt vom Discounter

Das Zelt vom Discounter

Ein Erfahrungsbericht für ein Billigzelt? Gehts noch? Warum nicht, gibts ja auch oft genug.

Jeder fängt mal klein an. Und wer das erste mal mit dem Motorrad eine Mehrtagestour macht und davor beschließt, das alles als Campingtour durchzuführen, der wird vor dem Problem stehen, sich erstmal ein Zelt zulegen zu müssen. Es ist doch eher so, dass die wenigsten Leute in jungen Jahren eine hochwertige Trekkingausrüstung zu Haue rumliegen haben.

So war das auch bei mir. Frisch den Motorradführerschein gemacht, nach einer Weile kam die Entscheidung, dass ich mich in die Alpen aufmachen möchte, von denen alle im Bekanntenkreis so begeistert waren. Da konnte ich noch nicht aus dem Vollen schöpfen. Ich habe das eine oder andere Teil geliehen (Gaskocher mit Geschirr), schon was zu Hause liegen gehabt (Schlafsack), oder auch ausgeborgt (Zelt). Das musste dann klappen.

Es hat auch geklappt. So gut, dass ich mir im Laufe der folgenden Jahre alle möglichen Campingartikel zusammengekauft habe und auch später meine Frau von dieser Art Motorradurlaub begeistern konnte.

Warum ein Billigzelt?

Manches wurde im Abschnitt oben schon genannt. Viele Motorradfahrer wissen noch gar nicht, ob ihnen dieses Campingdings auch gefällt. Warum also ein Vermögen ausgeben für einen Spleen, von dem man nicht weiß, ob es eine dauerhafte oder wiederkehrende Aktivität wird.

Dann hätten wir noch den Faktor des Lebensalters. Je jünger man ist, desto weniger Geld besitzt man. Das ist halt Fakt. Und die meisten fangen nun mal mit dem Motorradfahren an, wenn sie noch etwas jünger sind. Da sitzt einfach das Geld noch nicht so locker. Also muss möglichst günstiges Material her.

Und dann kommt noch der Faktor des mangelnden Wissens dazu. Ich konnte mir zu den Anfängen nicht vorstellen, was denn an teuren Trekkingprodukten so toll sein soll, immerhin hat ja die Baumarktversion meines Zeltes auch irgendwie ihren Zweck erfüllt.

Somit habe ich mir für meine ersten Motorradtouren erst ein Zelt vom Nachbarn geliehen (nochmal Danke Thomas) und mir danach selbst so ein Teil angeschafft. Je nach Nutzungshäufigkeit kann dann so ein Billigzelt auch recht lange halten, meines hat jetzt etwas mehr als 15 Jahre auf dem Buckel (dem Gestänge?) und lässt sich jetzt noch aufbauen. Ich habe das nämlich erst gestern ausprobiert (na ja, ausprobieren lassen… mein Sohn wurde beauftragt den Zeltaufbau durchzuführen).

Vorteile von Billigzelten

Machen wir es kurz. Ich kenne keine. Es gibt eigentlich keinen Punkt, in dem das Zelt von Aldi, Lidl und Co gegenüber einem Zelt vom Fachhandel heraussticht. Die Produkte sind schwerer, in aller Regel weniger haltbar und in eigentlich jeder Hinsicht weniger durchdacht.

Nur der Preis ist unschlagbar. So bekommt man ein Zelt im Baumarkt für einen Preis, der noch unter einer Übernachtung mit Frühstück in einer günstigen Pension liegt. Das macht es attraktiv.

Nachteile von Billigzelten

Ein Zelt sollte möglichst leicht sein. Auch wenn wir als Motorradfahrer nicht so auf Ultraleicht-Equipment angewiesen sind wie Rucksackreisende, ist es schon ein Unterschied, ob man am Ende einige Kilogramm mehr oder weniger auf die Maschine schnallen muss. Das typische Billig-Kuppelzelt wiegt zwischen vier und fünf Kilogramm. Und da passen dann zwei Personen rein. Die Mittelklassezelte aus dem Fachhandel wiegen drei Kilogramm, da passen auch zwei Personen rein. Also schon ein paar Pfunde gespart.

Dann ist es so eine Sache mit der Qualität. Wer drei Tage bei Sonnenschein campen geht, wird jetzt nicht gerade irgendwelche Expeditionsausrüstung benötigen. Auch wenn ich auf der Zeltwiese auf dem Campingplatz schon das eine oder andere Mal Leute gesehen habe, die mit einer arktistauglichen Expeditionsausrüstung vorfuhren. Ist aber jetzt nicht unbedingt nötig. Was aber meiner Meinung nach auf jeden Fall nötig ist: Ein Zelt, dass auch mal zwei Wochen regelmäßig genutzt werden kann. Dies auch bei mäßigem bis schlechtem Wetter. Wenn ich das Zelt zehn mal auf- und wieder abbaue und es dadurch jedes Mal wieder belastet wird, kann ich bei Billigmodellen davon ausgehen, dass irgendwann das Material nachgibt. Die Bodenplane oder das Überzelt wird undicht, das Innenzelt reißt irgendwo, solche Sachen eben. Daher: Qualität ist auch auf dem Campingplatz in Mitteleuropa durchaus wünschenswert.

Die Schadstoffbelastung ist auch so ein Punkt der mich persönlich stört (bitte jetzt nicht aufstöhnen, gehört halt auch dazu). Mein Discounter-Zelt lag jetzt bestimmt 13 Jahre im Packbeutel in Garage und Keller. Gestern wurde es aufgebaut. Ich stand daneben und habe meinem Junior gute Tipps und Ratschläge gegeben. Dabei konnte ich feststellen: Das Teil stinkt ja immer noch nach Plastik. Mag ja sein, dass der Geruch irgendwann verfliegt, aber nach über zehn Jahren sollte dies doch der Fall sein. Irgendwie möchte ich das nicht einatmen.

Und das wichtigste Argument gegen Billigzelte: Die Bequemlichkeit. Es ist in aller Regel einfacher, schneller und weniger anstrengend, ein durchdacht konstruiertes Zelt aus ordentlichen Materialien aufzustellen, als irgendwelchen Billigschrott aus Fernost irgendwie zusammenzuwurschteln. Wenn ich nach einem langen Tag auf dem Motorrad auf dem Campingplatz ankomme, möchte ich mich nicht noch eine halbe Stunde mit irgendwelchem störrischen Zeltgestänge herumärgern oder mit Heringen, welche sich schon bei einem scharfen Blick verbiegen. Das soll dann einfach stehen und gut ist.

Zusammenfassung:

Billigzelte haben ihre Daseinsberechtigung. Ganz klar. Aber nach einiger Zeit dürften wohl die meisten von uns auf etwas hochpreisigeres Material umgestiegen sein. Wer sein Zelt nicht gerade auf einem Festival am Ende in den Container werfen möchte, der wird sich umschauen, ob man nicht für mehr Geld auch was gescheites anschaffen kann. Das spart Frust und Ärger.

Bilder:

Am Beispiel meines eigenen Baumarktzeltes habe ich mal den Aufbau, die Vor- und Nachteile dokumentiert. Es handelt sich dabei um ein „High Peak Texel Alu“, welches schon ewig bei mir in der Garage liegt und einfach mal von Junior im Garten aufgestellt wurde.

High Peak Texel Alu

Schon die Verpackung ist nicht gerade toll. Das Paket ist schwer, unhandlich und auch nicht gerade stabil.

Zeltgestänge aus Fiberglas

Gestänge ist aus Fiberglas mit Metallverbindern. Schwer und unpraktisch.

Innenzelt alleine aufgebaut

Endlich steht das Innenzelt aus Netzgewebe

einfache Zeltheringe

Zeltheringe billigster Machart. Auf keinen Fall in Harte Böden einschlagen, sie verbiegen sich

Zelt fertig aufgebaut

Das Zelt in seiner ganzen Pracht. Jetzt noch ein wenig ausdünsten lassen, dann könnte man darin schlafen

Produktbeispiel

Wenns denn sein muss bekommt man so ein Billigzelt zum Preis von 30 bis 40 € bei Amazon, im Baumarkt oder regelmäßig beim Discounter: