Lederpflege: Wie behandle ich meinen Lederkombi?

Auch wenn in den letzten Textilbekleidung immer mehr Verbreitung findet, hat Motorradbekleidung aus Leder immer noch einen festen Platz im Kleiderschrank vieler Motorradfahrer. Auch ich besitze einen Lederkombi (allerdings schon älteren Baujahrs) und trage am liebsten bei der Fahrt die Mischung aus Textiljacke und Lederhose.

Lederbekleidung hat jedoch im Gegensatz zur Motorradkleidung aus Cordura-Nylon einen Nachteil: Sie muss gepflegt werden.

Als ich mal meinen Lederkombi zur Reparatur (Reißverschluss) zu dem Schuster meines Vertrauens gebracht habe, hat die Dame an der Theke nur den Kopf geschüttelt und mir erklärt, dass Leder auch Nahrung braucht. Leder ist ein Naturprodukt und muss entsprechend gepflegt werden. Nur wie? Mit was? Und auf welche Art? Das soll hier thematisiert werden.

Warum muss Leder gepflegt werden?

Leder ist ein unglaublich tolles Material. Ein Lederkombi schützt beim Sturz vor Abrieb, er ist robust genug, ein wenig Asphalt zu vertragen. Dabei ist das Material reißfest und, entsprechend verarbeitet, auch langlebig. Weiterhin sitzt ein gut geschnittener Lederkombi perfekt, ohne einzuengen und passt sich in der Form sogar noch ein wenig an seinen Träger an. Also irgendwie eine eierlegende Wollmilchsau.

Aber Leder kann dies alles nur leisten, wenn man es ordentlich behandelt. Es muss sauber gehalten, schonend gereinigt und hin und wieder eingefettet werden, damit diese Eigenschaften auch dauerhaft zur Verfügung stehen. Kümmert man sich nicht darum, wird Leder spröde, hart und wird über kurz oder lang „nachgeben“.

Wie reinige ich den Lederkombi?

Ganz pauschal kann man zwei Arten von Schmutz unterscheiden: Der Fliegendreck, Staub und Sonstiges, was während der Fahrt von außen auf den Lederkombi aufklatscht und andererseits der Schweiß und die sonstigen Körpergerüche, welche durch langes Tragen von innen auf den Lederkombi einwirken.

Dreck und Fliegen entfernen

Wer kennt das nicht: Während einer Motorradtour macht es zack und eine fette Mücke klebt irgendwo am Lederkombi. Die trocknet dann ein und dann möchte man diese verkrustete Masse einen Monat später mal wieder wegmachen.

Das geht eigentlich ganz einfach. Ein Schwamm oder weicher Lappen, ein wenig Spülmittel und dann leicht reiben. Dann sollte jeder Mücke mit der Zeit abgehen. Bei hartnäckigen Verkrustungen einfach den Lappen anfeuchten und für fünf Minuten auf der betreffenden Stelle feucht liegen lassen. Dann klappt das ganz einfach.

Was nicht geht ist die Benutzung von Topfkratzern, Scheuerpulver oder am besten noch Reinigungsbenzin. Versteht das nicht falsch, Mücken und anderes geht zwar damit auch ab und das Leder nimmt keinen Schaden dadurch. Jedoch sieht man das an der Oberfläche, sobald alles wieder eingetrocknet ist. Sieht dann einfach ein wenig blöd aus, wenn ich die Farbe teilweise runtergescheuert habe.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, mit einer Leder-Spezialseife vom Dreck zu befreien. Diese gibt es in Preisklassen von 3€ bis 24€ pro Packung. Von meinem Schuster habe ich mal ein Probepäckchen bekommen. Das Mittel war ganz gut, aber ich habe jetzt auch nicht feststellen können, dass das Zeug so toll ist, dass ich jetzt nichts anderes mehr will. Muss jeder selbst wissen, wie viel Geld er ausgeben will.

Lederkombi waschen

Nun sollte man sich überlegen, wie der Lederkombi gewaschen werden muss.

Wer sich einschlägig informiert, wird oft hören: auf keinen Fall in der Maschine… immer Handwäsche mit Spezialmittel… usw.

Bei mir sieht es ein wenig anders aus. Ich habe schon erfolgreich meinen Lederkombi in der Waschmaschine gewaschen. Taschen leeren, Schonwaschgang und nur wenig Waschpulver nutzen.

Die Protektoren, so hört man, solle man immer vor dem Waschen entnehmen, um Schäden zu vermeiden. Halte ich auch für unnütz. Ich habe meine Lederklamotten gewaschen, ohne die Protektoren herauszunehmen. Dies aber nur aus Faulheit, da es beim ersten mal ewig gedauert hat, bis alle Protektoren wieder so befestigt waren, dass alles gepasst hat.

Tipp für diesen Fall: die Protektoren markieren (Schulter links, Knie rechts, usw.), wenn man sie denn herausnehmen will.

Für denjenigen, der lieber auf Nummer Sicher gehen will, dem sei dann doch ein Spezialwaschmittel und das Waschen von Hand empfohlen. Für mich genügt aber die einfache Maschinenwäsche mit ein wenig Waschmittel (aber ohne Weichspüler)

Trocknen?

Ist mein Motorradkombi frisch gewaschen, muss er auch trocknen. Hier reicht es, einfach das Teil ein wenig aufzuhängen. Nicht gerade an Heizung oder Ofen, dadurch kann Leder spröde werden. Das habe ich zwar noch nicht selbst erlebt, aber sicher ist sicher. Was gar nicht geht ist der Wäschetrockner. Ich habe mal ein paar alte Motorradhandschuhe tatsächlich gewaschen (sie waren schon ein wenig eklig) und anschließend bei Mutti in den Kondenstrockner geworfen. Sie sahen hinterher schon ein wenig komisch aus (bretthart und sehr spröde). Daher will ich mir gar nicht vorstellen, was mit meinem teuren Lederkombi passieren könnte.

Das Einfetten

Der Lederkombi muss „genährt“ werden, Das haben wir ja schon oben gelesen. Also muss Leder regelmäßig mit irgendwelchen Mittelchen behandelt werden.

Wie oft pflegen?

Und wann sollte man nun seinen Lederkombi einreiben? Ich mache das höchstens ein bis zwei mal im Jahr. Einmal auf jeden Fall vor der Winterpause. Bevor die Lederklamotten in den Schrank wandern, wird noch kurz alles mit Pflegemittel eingerieben, dann kann passt das.

Dann sollte man sich auch immer an die Lederpflege machen, wenn man den Lederkombi gewaschen hat. Da durch das Wasser und das Waschmittel mit dem alten Schweiß auch alles Fett heraus gewaschen worden sind, muss man hinterher nachfetten.

Mit was den Kombi pflegen?

Melkfett zur Lederpflege

Das ultimative Produkt zur Lederpflege: Melkfett

Hier scheiden sich die Geister. Wenn man einschlägige Ratgeber durcharbeitet, wird man lesen, dass ausschließlich spezielles Lederfett, Lederspray oder Pflegemittel auf Bienenwachsbasis genutzt werden dürfen.

Ich bin (wer hätts gedenkt) nicht dieser Meinung. Das Leder muss gefettet werden. Dazu brauchts keine Spezialmittel, gabs ja früher auch nicht. Natürlich kann man spezielles Lederfett nehmen. Ich für meinen Teil gebrauche zum Einfetten der Lederklamotten lediglich Melkfett. Gibts im Drogeriemarkt für einen Euro pro Dose. Das hat bisher recht gut funktioniert.

Ein Bekannter von mir schwört auf „Ballistol“, was ja sowieso ein Wundermittel ist, mit dem man so gut wie alles machen kann.

Wer den goldenen Mittelweg sucht, wird sich dann wohl auf Lederöl konzentrieren. Das ist recht dünnflüssig und braucht nur wenig eingearbeitet werden.

Der Vorgang des Einreibens

Am Beispiel meiner Lederhose lässt sich das ganz gut darstellen. Die schwarze Lederhose wird auf einer recht großen Fläche ausgebreitet, dann ein wenig Melkfett auf die Finger und dieses dann gemütlich einmassieren.

Wer Lederöl, Ballistol, Wachs oder ein spezielles Lederpflegemittel nutzt, der sollte, anstatt das Zeug mit den Fingern einzureiben, einfach einen Lappen benutzen. Das hat ganz praktische Gründe. Lederöl ist zu flüssig, um es mit den Fingern zu verreiben, Bienenwachsprodukte und Lederfett möchte ich nicht so gerne in großer Menge an den Fingern Kleben haben. Daher einfach einen Lappen nehmen. Hierbei reicht ein normales Geschirrhandtuch vollkommen aus.

Vorbereitungen zur Lederpflege: Melkfett, Platz und Zeit

Die Vorbereitungen:
Die Lederhose, Fett (in meinem Fall Melkfett) und viel Platz (bei mir einfach auf dem Boden)

Verschleißspuren an der Lederhose

Die Lederhose hat es nötig, einzelne „Schrammen“ und Abnutzungserscheinungen

Lederpflege, gefettete Seite und ungefettete Seite

Bei der Lederpflege: linkes Hosenbein gefettet, rechtes noch ungefettet

Vorher-Nacher bei der Lederpflege

Die Schramme vom zweiten Bild nach der Behandlung mit Lederfett. Zwar noch da, aber ein wenig unauffälliger

Lederkombi danach Imprägnieren?

Imprägnierspray

Imprägniermittel aus dem Supermarkt. Funktioniert, ist aber nicht unbedingt nötig nach dem Einfetten des Lederkombis

Es wird immer wieder geraten, seine Lederbekleidung nach dem einfetten oder einölen noch mit einem speziellen Imprägnierspray zu behandeln. Zweck soll die Stärkung der wasserabweisenden Eigenschaften sein. Dazu sind dann verschiedene Produkte verfügbar, welche Regentropfen einfach am Lederkombi abperlen lassen.

 

Ich habe mir auch einmal so eine Sprühdose mit Imprägniermittel angeschafft. Auch wenn ich nicht gerade ein Fan solcher Spezialmittelchen bin, muss ich zugeben, es hat funktioniert. Tatsächlich bin ich nach dem Einsprühen mit Imprägniermittel hingegangen und habe ein wenig Wasser auf die Lederhose gespritzt, ich wollte einfach nur schauen, ob das wirklich was bringt. Ich muss zugeben: Ja, nützt etwas. Somit sollte man meinen, dass solche Mittelchen durchaus praktisch sind.

Imprägniersprays sind praktisch und funktionieren, ganz klar. Sind sie sinnvoll für mich? Nein, eher nicht. Ich habe doch gerade den kompletten Lederkombi mit Fett oder Öl eingerieben, das bringt den selben Effekt. Also ist ein Imprägnierspray meiner Meinung nach nicht nötig nach dem Einfetten.

Wo darf ich nicht selber fetten?

Selbst Waschen und fetten geht grundsätzlich immer. Nun habe ich schon den Hinweis gelesen, dass man hydrophobiertes Leder (Lederkombi, welcher bei der Herstellung so behandelt wurde, dass er kein Wasser aufnimmt) auf keinen Fall fetten sollte, sondern nur mit Spezialwachs behandeln darf. Kann ich jetzt nicht bestätigen oder abstreiten. Mein Lederkombi ist zwar auch aus hydrophobiertem Leder, aber auch mein Schuhmacher war der Meinung, ich müsse ihn ordentlich pflegen. Damit war wachsen, ölen oder fetten gemeint.

Alternativen zum selber machen?

Ich gehe ja, wie ihr seht, recht hemdsärmelig an die Lederpflege ran. Nun gibt es aber Zeitgenossen, welche durchaus einen Lederkombi von Schwabenleder für bescheidene 1500 € oder mehr tragen. Grundsätzlich sind auch diese Lederteile ohne weiteres selbst zu pflegen und zu reinigen, kein Problem. Aber wer in dieser Preisklasse seine Motorradbekleidung einkauft, der hat auch andere Möglichkeiten zur Reinigung.

In diesem Fall würde ich dazu raten, einfach zu einem Lederwarengeschäft in der Nähe zu gehen, und einfach mal nach einer professionellen Reinigung zu fragen. Die Preise liegen (Stand 2016) bei etwa 40 € für die Jacke und 30 € für die Hose. Ist jetzt recht viel, aber ein High-End-Lederkombi könnte diese Investition durchaus wert sein.

Zusammenfassung:

  • Lederbekleidung mit feuchtem Tuch von Mücken befreien.
  • Eine Wäsche in der Waschmaschine (Schonwaschgang, wenig Waschmittel) ist möglich
  • nach dem Waschen einfetten mit Lederfett, -Wachs, Ballistol oder Melkfett
  • Imprägnieren danach ist nicht unbedingt nötig

Produktbeispiele:

Die wichtigsten Produkte zur Lederpflege, von mir bereits ausprobiert, jedoch nicht im Langzeittest. Langfristig bin ich bei der Lederpflege bei einfachem Melkfett hängen geblieben. Funktioniert und reicht für meine Bedürfnisse locker aus.

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Einfaches klassisches Lederöl, einfach auftragen und mit einem Tuch einreiben. Diese Riesenflasche hält ewig. Ich hatte nur ne kleine Probepackung.
Wer kennt Ballistol nicht? Reinigt, pflegt, schmiert, ölt, soll sogar bei Mückenstichen helfen. Braucht jeder zu Hause und kann tatsächlich auch zur Lederpflege verwendet werden. Ich habe immer ein kleines Fläschchen davon in der Garage.
Melkfett. Mehr gibts nicht festzustellen.