Was muss Motorradbekleidung kosten?

Wie komme ich zu so einem Beitrag?

Ich habe vor kurzem ein interessantes Gespräch mit meinem Junior geführt. Er interessiert sich dafür, den Motorradführerschein zu erwerben und sich dann auch noch eine Maschine zuzulegen. Nach einigen Nachfrage, wie er sich das mit dem Geld denn vorstellt, habe ich von ihm ein schönes Rechenbeispiel zum Erwerb des Führerscheins, eines gebrauchten Motorrads sowie der Versicherung und Steuer für das erste Quartal erhalten.

Irgendwie habe ich in seiner Aufzählung jedoch eines vermisst: Einen Satz Motorradbekleidung. Na ja, man könnte jetzt meinen, er geht davon aus, von Papa ein wenig Schutzkleidung zu erben und hat das höflicherweise einfach nicht angesprochen. Ist aber nicht so. Er hat es schlichtweg vergessen.

Dies deckt sich aber durchaus mit manchen Beobachtungen, die ich schon machen durfte. Jeder, der darauf angesprochen wird, stimmt sofort zu, dass geeignete Schutzkleidung beim Motorradfahren notwendig und richtig ist. In der praktischen Umsetzung sieht es dabei aber dann ganz anders aus. Die Anschaffung von Motorradbekleidung wird bei der Kostenaufstellung schlichtweg vergessen, ignoriert oder einfach aus Bequemlichkeit nach hinten geschoben. Das sollte nicht sein.

Motorradbekleidung ist ein Muss

Wer Motorrad fährt, braucht Schutzbekleidung. So, das wars. Kein herum diskutieren, keine Streitereien, einfach den Fakt hinnehmen. Also muss man sich auch Gedanken darüber machen, woher ich die notwendigen Teile bekomme und was ich dafür ausgeben will und muss. Auch HIER wurde das bereits vor kurzem thematisiert.

Was für Bekleidung brauche ich?

Wer schon eine Weile Motorrad fährt, hat sich im Idealfall bereits einen gewissen Fundus zugelegt. Bei mir hängen in einem Schrank in der Garage neben mehreren Sätzen für meine Kinder und meine Frau auch Lederkombi, Textilkombi sowie diverse Einzelstücke zur freien Kombination. Da ist (fast) immer das Richtige dabei. Kein Problem.

Wer allerdings alles neu anschaffen muss, der sollte sich die Frage stellen, was für Anforderungen mein erster Satz Motorradbekleidung erfüllen muss. Die Anforderungen an die Motorradbekleidung richten sich nach (wer hätte es gedacht) den persönlichen Fahrgewohnheiten, sowie einigen Basics, die jede Art von Motorradbekleidung erfüllen muss.

Und wie lege ich mich nun fest?

Ganz einfach. Zunächst sollte man für sich (realistisch) überlegen, wie viel Zeit man auf dem Motorrad verbringen möchte. Der tägliche Weg zur Arbeit? Dreiwöchige Urlaubstouren? Sport (Rennstrecke) und sonst nichts? Motocross-Pisten unsicher machen? Alles ein bisschen? Gar nichts davon?

Realistisch betrachtet, wird ein absoluter Neuling wohl keine der Fragen vollständig beantworten können. Das macht die Sache natürlich nicht leichter. Es gibt interessanterweise jedoch jede Menge Guides, die dann den High-Tech-Fahreranzug, Lederrennkombi oder irgendwelche anderen expeditionstauglichen Bekleidungssätze empfehlen, um nur ja für alle Eventualitäten möglichst umfassend gerüstet zu sein. Ich nicht.

Ist Geiz geil?

Wer gerade sein neues (gebrauchtes?) Motorrad angeschafft hat, eventuell noch bei TÜV, Versicherung und Werkstatt seinen Obulus entrichten musste und nun vor der Entscheidung steht, welche Motorradbekleidung anzuschaffen ist, dem lege ich ans Herz, möglichst nicht allzu tief in die Tasche zu greifen.

Sind wir doch mal ehrlich. Kein Mensch kann im Voraus sagen, ob ihm Motorradfahren in der Realität wirklich so viel Spaß macht. Auch kann niemand so weit in die Zukunft blicken um zu behaupten, er würde in Zukunft im Jahr 15.000 km fahren.

Vielmehr ist es so, dass jeder Neuling für sich zunächst selbst einfach mal gewisse Dinge herausfinden muss. Das dauert halt eine Saison oder gar drei. Und um genau diese Zeit zu überbrücken, empfehle ich, einfach günstige Motorradbekleidung anzuschaffen, welche die Mindeststandards erfüllt. Mehr auch nicht.

Nach zwei Jahren dann kann man ja beginnen, die einzelnen Teile ganz nach Bedarf gegen hochpreisigere und bessere Bekleidungsteile auszutauschen. Wobei man dann schon selbst gut genug einschätzen kann, was man braucht.

Was muss unsere Motorradbekleidung können?

Anforderungen

Wir wollen nun also Bekleidung, welche unsere Ansprüche so weit deckt, dass wir die ersten ein oder zwei Jahre damit auskommen.

Unsere neue Motorradbekleidung sollte sicher sein. Dies bedeutet, sie sollte abriebfest und robust sein. Weiterhin sollten Protektoren vormontiert sein. Außerdem sollte Motorradbekleidung auch die notwendigen Normen erfüllen.

Dann sollte unsere Motorradbekleidung warm und trocken sein. Wer nicht gerade ausschließlich an sonnigen Tagen in Heimatnähe unterwegs ist, muss schon damit rechnen, einmal nass zu werden und zu frieren.

Und dann sollte unsere Motorradbekleidung auch noch vollständig sein. Es hilft ganz und gar nichts, wenn ich einen tollen Helm trage, aber dann mein Geld für die Stiefel nicht ausreicht.

Ausschlussprinzip

Bisher ist noch nicht so viel konkretes herausgekommen, oder? Wird aber besser. Wir können nun einige Dinge ausschließen. Eine Ledermontur mit dem notwendigen Zubehör werde ich für Neulinge nicht empfehlen. Nicht wasserfest, zu kalt im Winter, zu warm im Sommer und muss passen (auch richtig anprobieren will gelernt sein). Also, keine Lederkombis.

Der typische BMW-Fahreranzug, oder der Textilkombi von Rukka fällt hier ebenso raus. Hier sind die Kosten für das set einfach viel zu hoch. Welcher Neuling würde den Preis einer Gebrauchtmaschine in Motorradbekleidung investieren, wenn nach der Anschaffung ebendieser Maschine das Geld eh knapp wird. Hochpreisige Artikel fallen also ebenfalls raus.

Was bleibt also übrig?

Eine einfache Fahrerausstattung in Textil.

Helm

Ist klar, ist ja auch vorgeschrieben. Hier erfüllen eigentlich alle im seriösen Fachmarkt angebotenen Produkte die Anforderungen. Bitte nicht irgendwelchen Schrott bei Ebay oder dem grenznahen Asia-Markt kaufen. Lohnt nicht. Soll einfach die ECE-Norm 22-05 erfüllen, dann ist alles im grünen Bereich.

Jacke und Hose

Man möchte ja nicht nackt fahren. Winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv ist heutzutage Standard. Beides aus Cordura-Nylon (robust), mit ein- und auszippbarem Innenfutter (für kalte Tage). Motorradjacke sowie Motorradhose sollten bereits mit Protektoren (mit Prüfzeichen) ausgestattet sein.

Stiefel

Ja, gehören auch dazu. Auch wenn man in den Arbeitsschuhen, oder wie ich früher in den alten Springerstiefeln unterwegs sein kann, ein Satz (ebenfalls wasserdichter) Motorradstiefel mit Protektor sowie Schalthebelverstärkung gehören irgendwie dazu.

Handschuhe

Ohne Handschuhe geht’s gar nicht. Wer als Neuling noch an seine Kindheit zurückdenkt und an die Stürze mit dem Fahrrad als Kind, kommt schnell zu der Erinnerung, wie damals immer die Hände aufgeschürft waren. Und nun überlegen: Was wäre, wenn ich damals mit 100 km/h hingefallen wäre. Also auch Handschuhe.

Am besten aus Leder, wenn es geht mit Hartschale über dem Knöchel.

Kleinkram

Schlauchtuch als Halstuch (passt immer irgendwo in eine Tasche). Multifunktionell, praktisch, ausreichend, so lange es nicht zu kühl wird.

Sturmhaube: Kann man auch immer unterbringen. Und gehört irgendwie dazu. Hat bestimmt jeder Motorradfahrer irgendwo rumliegen.

Unterziehhandschuhe. Das haben schon weniger Leute. Wer nur einfache Sommerhandschuhe aus Leder trägt, wird die Dinger lieben. Unter die Lederhandschuhe getragen, verhindern sie ein zu starkes Auskühlen der Finger.

Produktbeispiele

Hier habe ich mich nun ein wenig ausgetobt. Diese kleine Liste stellt ein mögliches Motorradset für Neulinge dar. Ziel war, festzustellen, wie hoch denn die tatsächlichen Ausgaben für einen neuen Satz Equipment sind.

Die Beispiele stammen von Amazon. Die „üblichen Verdächtigen“ im Motorradzubehörhandel (Polo, Louis, Hein-Gericke) bieten ebenfalls jede Menge Bekleidung in ähnlicher Preisklasse. Nur darf ich von denen nicht einfach Produktbilder und -Links einbinden. Ich möchte nicht abgemahnt werden.

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Von Oben nach unten, mit dem Helm gehts los. Nicht besonderes, schützt aber den Kopf, mehr braucht er ja eigentlich erstmal nicht.
einfacher Textil-Kombi mit Protektoren. Keine besonderen Schmankerl, einfach und mit herausnehmbarem Innenfutter.
Lederstiefel mit Kunststoff-Platten an Knöchel und Schienbein. Bietet guten Schutz, sonst nur wenig
Handschuhe aus Leder-Textil-Mix. Einfach, aber sicher
Nierengurt, Textil. Würde noch günstiger mit einem Neoprengurt gehen.
Sturmhaube. Hat jeder, kann man immer gebrauchen.
Schlauchtuch. Kann man auch immer gebrauchen
Unterziehhandschuhe für die kalten Tage. Einfach aber effektiv

Fazit

Wenn ich nun oben richtig gerechnet habe, komme ich nun auf einen Betrag von etwa 285 Euro. Das müsste jeder Motorradneueinsteiger ausgeben, um zumindest die erste Saison sicher und einigermaßen bequem zu fahren.

Natürlich gibt es auch noch etwas billigere Alternativen, aber viel weiter runter kommt man mit den Preisen auch nicht mehr. Irgendwo ist halt Schluss. Teurer geht’s auf jeden Fall, man hat durchaus die Möglichkeit 3000 € für einen Satz Bekleidung hinzulegen. Muss aber als Fahranfänger glaube ich nicht sein.

Nebenbei bemerkt: Ich habe mir meine Fahrerausstattung quasi mit den Jahren nebenbei mit Blick auf meinen jeweiligen Einsatzzweck zugelegt, dann sind die Beträge nicht mehr gar so hoch.